Kala erinnert mich immer wieder daran: Ich lasse los, was mich einschränkt.

Denn dort, wo ich festhalte – an alten Mustern, an Schuldgefühlen, an der Illusion von Trennung – verenge ich mich selbst. Erst im Loslassen weitet sich der Raum. Erst wenn ich das abstreife, was nicht mehr zu mir gehört, kann ich die lebendige Verbindung spüren, die ohnehin immer da ist. Wenn ich mich mit dem Huna-Prinzip Kala verbinde, dann öffnet sich für mich ein Tor zu einer ganz besonderen Erfahrung: der Erfahrung, dass es im Grunde keine wirkliche Trennung gibt. Kala erinnert daran, dass alles in Beziehung steht, dass wir miteinander verwoben sind – nicht nur wir Menschen, sondern auch mit der Natur, mit dem Leben selbst, mit jedem Atemzug, der uns durchströmt.

Und doch heißt das nicht, dass wir ohne Grenzen leben sollten. Im Gegenteil: gerade, weil wir Teil desselben Feldes sind, wird die Bedeutung persönlicher Grenzen noch klarer. Eine Grenze ist nichts Feindliches. Sie ist wie der Uferbereich eines Flusses, der dem Wasser seine Richtung gibt. Ohne diese Ufer würde der Strom versickern, sich verlieren. Grenzen halten uns nicht getrennt – sie machen Begegnung überhaupt erst möglich.

Wenn du „Nein“ sagst, dann beendest du nicht den Kontakt. Ein ehrliches Nein ist kein Schlagbaum, der alles blockiert, sondern ein Tor, das sich gerade deshalb schließen darf, weil der andere weiterhin da ist. Wenn du „Ja“ sagst, bedeutet das nicht, dass du dich verlierst. Dein Ja ist umso kraftvoller, wenn es aus deiner Freiheit geboren ist. Genau hier liegt die Essenz von Währendeinander – ein Wort, das für mich zu einer Art Herzschlüssel geworden ist. Währendeinander heißt: Wir bleiben in Beziehung, auch wenn wir uns unterscheiden. Wir bleiben verbunden, ohne zu verschmelzen. Wir sind autonom, ohne uns voneinander abzukapseln.

Besonders spürbar wird das in der achtsamen Berührung. Die Haut scheint zunächst eine klare Grenze zu sein: Hier endet mein Körper, dort beginnt deiner. Und doch passiert in der Berührung etwas Rätselhaftes. Ich berühre dich nicht nur mit meinen Fingern, sondern mit meiner ganzen Präsenz. Und du nimmst nicht nur die Wärme meiner Hand wahr, sondern auch meine innere Haltung. So reicht die Begegnung weit über die sichtbare Oberfläche hinaus. Die Grenze der Haut wird zum Übergang, zur Brücke, zum Ort des Lebendigseins.

Kala lehrt uns also, dass Trennung eine Illusion ist – und dass gerade deshalb die Achtung der persönlichen Grenzen so wichtig bleibt. Ich kann dir erst dann wirklich begegnen, wenn ich dich als eigenständiges Wesen anerkenne, mit deiner Freiheit, mit deiner Würde. In diesem Spannungsfeld aus Nähe und Eigenständigkeit geschieht etwas Heiliges: Beziehung ohne Besitz, Zärtlichkeit ohne Forderung, Freiheit ohne Verlust.

Für mich ist das der Kern von Kala: Alles ist eins, und gerade darin liegt die Schönheit der Unterschiede.

Herzensgrüße Stefan

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