ZWIEGESPRÄCHE

Sich sehen durch sich (zu)hören

Gelebte Liebe ist für uns immer auch verbunden mit wertschätzender Kommunikation.
Daran, wie ein Paar miteinander kommuniziert lässt sich mitunter ablesen, ob es erst seit Kurzem zusammen ist oder schon viele Jahre gemeinsam erlebt hat. Während die einen noch viel miteinander reden, scheinen sich Gesprächsanzahl, Gesprächsdauer und Inhalte im Laufe einer Partnerschaft zu verändern.

Wo steht ihr mit euren Gesprächen und mit eurer Kommunikation?

Zeigt ihr euch mit allem was ist und könnt ihr euch wirklich zu(hören)? Sind Ängste vorhanden, die dafür sorgen, dass sich eine/r zurückhält oder auch ihr beide/alle? Meint eine/r von euch vielleicht, den anderen schon zu kennen oder gar zu wissen, was der/die andere denkt?

Bei kritischen Themen münden Gespräche allzu oft in Schuldzuweisungen (Du hast …, Du bist…), Ego-Verletzungen und Abbruch der Kommunikation.

Wir alle dürfen uns fragen, was gute Kommunikation ist.

  • Wie kann ich mich öffnen und zeigen mit dem, was mich gerade beschäftigt?
  • Wie offen und ehrlich bin ich in meiner Kommunikation?
  • Kann ich meine/n Partner/in hören und kann ich zuhören? Auch wenn diese/r vielleicht schweigt?
  • Wie kann ich zu einem sicheren (Gesprächs)Raum beitragen?

Was dürfen wir lernen, um die Art der Kommunikation und des Austauschs zu verbessern, um langfristig eine erfüllte, glückliche und harmonische Partnerschaft zu erleben?

Der Autor Michael Lukas Moeller hat dazu eine Gesprächsmethode entwickelt, die in ihrer Struktur sehr einfach und direkt anwendbar ist. Bei richtiger Anwendung kann sie zu einer harmonischen Partnerschaft beitragen.

Das Zwiegespräch

Das Zwiegespräch ist dazu da, die eigene Wahrheit mitteilen zu dürfen und die Wahrheit des anderen hören zu dürfen.

Es folgt einer klaren Ordnung, damit ein sicherer Rahmen entstehen kann. Es ist ganz wichtig, die Regeln fest zu vereinbaren, einzuhalten und nicht abzuweichen, auch wenn die Versuchung manchmal groß ist.

  • Regelmäßigkeit: Überlegt euch gemeinsam einen regelmäßigen Turnus. Wir empfehlen einmal pro Woche, maximal zweiwöchentlich.
    Tipp: gleicher Tag, gleiche Zeit, gleicher Ort – das lässt sich leicht merken und wird so schnell zur Routine.
  • Setzt euch bequem und einander zugewandt hin, damit ihr den Partner sehen (und hören) könnt.
  • Stellt das Telefon ab. Wenn ihr Eltern seid, versorgt Eure Kinder. Es ist eure Paarzeit.
  • Gesamtdauer: 1,5 Stunden
  • Nutzt einen Timer und stellt diesen auf 15 min ein.
  • 15 Minuten spricht der eine Partner, dann 15 Minuten der andere. Der Wechsel geschieht 3 mal. Jede/r hat dadurch 3 mal 15 min Zeit zu hören und 3 mal 15 min Zeit zu sprechen
  • Ist eine/r von euch vor dem Klingeln fertig, ist schweigen wunderbar. Wenn der Wecker klingelt, wechselt ihr.
  • Ganz wichtig für den sicheren Raum: Während der 15 min Redezeit sprichst nur du. Dein Partner/ Deine Partnerin hält den Raum. Er/Sie hört dir einfach zu. Ohne Wertung, Regung, Fragen, Mimik, Gestik oder Unterbrechung.
  • Du teilst dich in ICH-Botschaften mit. Was dich gerade am meisten bewegt. Du bekommst keine Rückmeldungen, Ratschläge oder Fragen gestellt.
    Du erzählst einfach von dir und zeichnest dem anderen dein Bild deiner Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühle.
  • Bedankt euch am Ende eures Zwiegespräches gerne beieinander für die Offenheit und die wertvolle, gemeinsame Zeit.
    Lasst das Gespräch in Ruhe nachwirken. Es wirkt auf Ebenen, wo es keiner Worte bedarf.

Haltet Euch an diese Regeln, sie lesen sich einfach, können aber in der Praxis eine Herausforderung darstellen. Manchmal möchtet ihr das Gespräch vielleicht lieber ausfallen lassen oder kürzen. Bleibt dran!
Manchmal möchtet ihr vielleicht “reinreden” oder nachfragen. Lernt, eurem Partner/eurer Partnerin wahrhaftig zuzuhören. Oft braucht es nicht mehr als das.
Und denkt daran – keine Unterbrechung oder Fragen.
Bleibt bei der Regelmäßigkeit und Dauer, nach ein paar Gesprächen spielt ihr Euch ein und es wird einfacher.

Wenn es mal schief gelaufen ist? Einfach dran bleiben. Das nächste wird automatisch besser.

Wir haben zu Beginn unserer Partnerschaft darüber gesprochen, was uns wirklich wichtig ist. Ein Punkt ist, dass wir nichts zurückhalten und alles aussprechen. Das Zwiegespräch ist unser Ort für diesen Teil unserer Vereinbarung. Wir können uns sicher sein, dass in diesem geschützten Raum alles Platz hat, was in uns ist und ausgesprochen werden will. Dafür sind wir sehr dankbar.
Belinda & Stefan

Die Wahrheit beginnt zu zweit

Michael Lukas Moeller

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