Über Momente, in denen Nähe mehr wird als Berührung
Es gibt Abende, die man nicht plant. Die einfach entstehen – aus Offenheit, aus Vertrauen, aus einer Bereitschaft, sich zu zeigen. Und manchmal entsteht in solchen Abenden etwas, für das man hinterher keine wirklich passenden Worte findet. Man ist einfach… trunken davon. Noch am nächsten Morgen.
Ich hatte kürzlich so einen Abend. Eine Begegnung, die mich berührt hat – nicht im großen, dramatischen Sinne, sondern in dieser stillen, tiefen Art. Als wäre etwas in mir angekommen, das vorher noch unterwegs war.
Was Berührung wirklich ist
Was hat diese Begegnung so besonders gemacht? Es war die Zartheit. Ein Angenommenwerden, so wie ich war – nicht wie ich hätte sein sollen. Und diese tiefen Blicke, in denen man nicht mehr fragt, ob man genug ist. Man ist einfach. Da. Und der andere Mensch auch.
Ich denke oft an ein Gedicht von Erich Fried Wie du solltest geküsst sein. Es beschreibt das, was in solchen Momenten geschieht, präziser als ich es je in Prosa könnte.
Gesehen werden, wie man ist
Genau das durfte ich in diesem Abend erleben. Nicht ein Projizieren von Erwartungen. Nicht ein Suchen nach etwas Bestimmtem. Sondern ein echtes, neugieriges, zartes Hinsehen. Und das Fließen – ohne viele Worte, ohne Plan – war für mich eine Erinnerung daran, wozu wir als Menschen fähig sind, wenn wir uns wirklich einlassen.
Es war Nähe, die mehr war als Berührung. Es war ein Erkennen des ganzen Menschen – der sichtbaren und der unsichtbaren Teile. Und genau dadurch wurde die Begegnung so echt, so gegenwärtig, so sehr im Jetzt.
Solche Momente sind keine Selbstverständlichkeit. Sie entstehen dort, wo beide bereit sind, sich zu zeigen – auch mit dem, was unsicher ist, was sucht, was noch nicht fertig ist. Gerade das macht sie kostbar.
Was bleibt
Am nächsten Morgen bin ich in den Wald gefahren. Um mich zu erden. Um das, was in mir lebendig geworden ist, erst einmal ankommen zu lassen. Denn auch das gehört dazu: solche Begegnungen werfen etwas auf. Alte Sehnsüchte. Fragen. Eine Art inneres Erwachen, das sich manchmal wie Verwirrung anfühlt – und gleichzeitig wie ein Ja.
Ich erlebe das nicht als Bedrohung. Sondern als Zeichen: Ich bin auf dem Weg zu mir.
Vielleicht ist das das größte Geschenk einer wirklichen Begegnung. Nicht, was sie uns gibt – sondern was sie in uns berührt. Was sie sichtbar macht. Was sie weckt.
„Ich berühre dich, wie du bist und wie du sein wirst.“
Dafür braucht es keine Worte. Nur Präsenz.
Herzensgrüße Kalua
